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Tarotkarten: Beeinflusst das Design unsere Deutung?

Eine Figur schaut mich an. Eine andere dreht mir den Rücken zu. Schon habe ich zwei verschiedene Geschichten im Kopf – obwohl auf beiden Karten derselbe Name steht.

Iris Perl2 Min. Lesezeit

Originalfassung: Deutsch.

Das Bild spricht zuerst

Stell dir die Königin der Schwerter zweimal vor: einmal streng und kühl, einmal mit einem müden, freundlichen Blick. Ich könnte in beiden Klarheit sehen. Aber im ersten Bild höre ich eher eine Grenze, im zweiten vielleicht die Erlaubnis, nicht alles erklären zu müssen.

Für mich ist Gestaltung deshalb keine Verpackung um eine unveränderte Bedeutung. Sie ist Teil der Begegnung mit der Karte. Farbe, Haltung, Abstand und Blickrichtung lenken meine Aufmerksamkeit.

Schön ist nicht automatisch lesbar

Ein Deck kann wunderschön sein und mir trotzdem wenig erzählen. Wenn jedes Gesicht gleich lächelt und jede Szene weich leuchtet, verschwinden Unterschiede, die ich beim Lesen brauche. Umgekehrt muss eine ernste Karte nicht brutal aussehen, um ernst genommen zu werden.

Gerade bei neu gestalteten oder KI-generierten Decks würde ich auf die Details achten: Sind die Figuren voneinander unterscheidbar? Passt die Anzahl der Münzen zur Zahlenkarte? Unterstützt die Szene das Motiv – oder übertönt sie es?

Ein Versuch mit zwei Decks

Lege dieselbe Karte aus zwei Decks nebeneinander. Schreibe zuerst nur auf, was du tatsächlich siehst. Erst danach, was du darin liest. Welche Aussage kommt aus der traditionellen Bedeutung, welche aus genau diesem Bild?

Ich möchte kein neutrales Deck. Ich möchte merken, wo seine Bildsprache mich hinführt. Dann kann ich mich darauf einlassen, ohne meine erste Assoziation für die einzig mögliche Wahrheit zu halten.

Persönliche Ansichten und beispielhafte Szenen. Astrologie und Tarot sind symbolische Deutungen, keine gesicherten Vorhersagen.