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Warum ich gerne verschiedene Häusersysteme nutze

Ein Planet wechselt das Haus, obwohl ich weder Zeit noch Ort verändert habe. Für mich ist das kein Anlass, sofort einen Rechner für falsch zu erklären. Es ist der Anfang der interessanteren Frage: Was vergleiche ich hier eigentlich?

Judith Perl4 Min. Lesezeit

Originalfassung: Deutsch.

Zwei Karten, derselbe Himmel

Stell dir vor, wir legen zwei Ausdrucke nebeneinander. Die Sonne steht auf beiden an derselben Stelle im Tierkreis. Die Hausgrenzen sehen aber anders aus, und plötzlich steht der Mond einmal im sechsten, einmal im siebten Haus. Wer gerade erst beginnt, kann sich dabei ziemlich allein gelassen fühlen.

Mir hilft es, Berechnung und Interpretation auseinanderzuhalten. Der Himmel wurde nicht nachträglich umgebaut. Wir haben eine andere Regel gewählt, um ihn in Häuser einzuteilen. Bevor ich eine Bedeutung diskutiere, möchte ich diese Regel kennen.

Was sich ändert – und was nicht

Bei Whole Sign wird das gesamte Zeichen des Aszendenten zum ersten Haus, das nächste Zeichen zum zweiten und so weiter. Placidus verwendet eine zeitbezogene Einteilung der täglichen Himmelsbewegung. Daraus entstehen meist ungleich große Abschnitte entlang der Ekliptik.

Bei identischen Daten bleiben in diesem Vergleich die tropischen Planetenlängen, der Aszendent und das Medium Coeli gleich. Geändert werden die Hausgrenzen und dadurch gegebenenfalls die Hauszuordnungen. Whole Sign ist übrigens nicht dasselbe wie gleiche Häuser ab dem exakten Aszendentengrad.

Das ist die technische Grundlage. Dass eine der Einteilungen das Leben besser beschreibt, folgt daraus noch nicht. Das bleibt eine Frage astrologischer Deutung, keine astronomisch bewiesene Eigenschaft.

Ein Beispiel, das sich nachrechnen lässt

Für die beiden Grafiken verwenden wir bewusst keine privaten Geburtsdaten: 1. Januar 2000, 13:00 Uhr in Graz, also 12:00 UTC, bei 47,0707° Nord und 15,4395° Ost. Es ist ein fiktiver Geburtsfall mit real berechneten Positionen.

Die Sonne steht bei rund 10,37° Steinbock, der Mond bei 13,32° Skorpion und der Aszendent bei 17,67° Stier. Im Placidus-Bild liegt der Mond noch vor der Spitze des siebten Hauses bei 17,67° Skorpion: hier also im sechsten Haus. Bei Whole Sign beginnt das siebte Haus bereits mit 0° Skorpion. Derselbe Mond liegt dort im siebten Haus.

Auch Merkur wechselt in dieser Einteilung vom achten ins neunte Haus. Saturn steht einmal im zwölften, einmal im ersten. Die Sonne bleibt in beiden Varianten im neunten. Gerade diese Mischung ist hilfreich: Nicht alles verändert sich, und wir können genau benennen, was tatsächlich anders ist.

PlacidusReduzierte Radix-Grafik: 1 Sonne, 2 Mond, 3 Aszendent, 4 Merkur, 5 Saturn. Hausnummern innen, Tierkreis außen. Gleicher Maßstab in beiden Grafiken. Sonne: 10,37° Steinbock. Mond: 13,32° Skorpion. Aszendent: 17,67° Stier. Diese Positionen bleiben beim Systemwechsel gleich.WidderStierZwillingeKrebsLöweJungfrauWaageSkorpionSchützeSteinbockWassermannFische12345678910111212345PlacidusGraz · 01.01.2000
Placidus
Whole SignReduzierte Radix-Grafik: 1 Sonne, 2 Mond, 3 Aszendent, 4 Merkur, 5 Saturn. Hausnummern innen, Tierkreis außen. Gleicher Maßstab in beiden Grafiken. Sonne: 10,37° Steinbock. Mond: 13,32° Skorpion. Aszendent: 17,67° Stier. Diese Positionen bleiben beim Systemwechsel gleich.WidderStierZwillingeKrebsLöweJungfrauWaageSkorpionSchützeSteinbockWassermannFische12345678910111212345Whole SignGraz · 01.01.2000
Whole Sign

Reduzierte Radix-Grafik: 1 Sonne, 2 Mond, 3 Aszendent, 4 Merkur, 5 Saturn. Hausnummern innen, Tierkreis außen. Gleicher Maßstab in beiden Grafiken.

Dieselben Positionen, unterschiedliche Häuser
FaktorTierkreispositionPlacidusWhole Sign
1 · Sonne10,37° Steinbock99
2 · Mond13,32° Skorpion67
4 · Merkur1,89° Steinbock89
5 · Saturn10,40° Stier121

Rechenweg: Swiss Ephemeris Java 2.00.00-01, Moshier-Ephemeride, tropisch und geozentrisch. Häuser P/W; Zuordnung nach ekliptikaler Länge. Werte auf zwei Dezimalstellen gerundet. Die Grafik zeigt fünf ausgewählte Faktoren, keine vollständige Radix-Deutung.

Nicht die angenehmere Antwort auswählen

Der Mond im sechsten Haus könnte in einer symbolischen Lesart Fragen nach Alltagsrhythmus und Fürsorge anstoßen. Im siebten eher nach Begegnung und Beziehung. Ich würde daraus nicht zwei gegensätzliche Urteile über einen Menschen machen. Ich würde zwei Fragen notieren und schauen, ob sie überhaupt etwas Sinnvolles öffnen.

Die Versuchung liegt darin, so lange umzuschalten, bis das schönere Ergebnis erscheint. Dann prüfe ich aber nicht mehr die Methode, sondern bediene meinen Wunsch. Deshalb würde ich zuerst eine Lesart festhalten und erst danach die zweite danebenstellen. Was bleibt gleich? Was kommt hinzu? Wo rede ich mir einen Widerspruch bloß passend?

Meine Grenze beim Vergleichen

Ohne verlässliche Geburtszeit möchte ich keine präzisen Häuseraussagen machen. Auch ein zweites System repariert eine unsichere Uhrzeit nicht. Und bei hohen geografischen Breiten hat Placidus rechnerische Grenzen; ein eingesetztes Ersatzsystem muss sichtbar benannt werden.

Die Grafiken hier zeigen die Hauszuordnung entlang der ekliptikalen Länge. Es gibt darüber hinaus Verfahren, die die ekliptikale Breite eines Planeten berücksichtigen. Ein scheinbarer Widerspruch zwischen Rechnern kann deshalb auch eine Frage der verwendeten Zuordnungsregel sein.

Ich mag den Vergleich, weil er die eigene Gewissheit etwas lockert. Nicht weil möglichst viele Varianten automatisch eine bessere Deutung ergeben. Zwei sauber verstandene Ansichten sind mir lieber als acht, zwischen denen ich ohne Frage hin- und herspringe.

Persönliche Ansichten und beispielhafte Szenen. Astrologie und Tarot sind symbolische Deutungen, keine gesicherten Vorhersagen.